Marche Ave Berlin: Der Weekender aus Leder, der zum Rucksack wird
· Robin Schneider
Weekender mit Rucksackfunktion: Wie wir das Verwandlungssystem entwickelt haben
Eine Tasche, die sich in unter zwei Minuten vom Weekender in einen Rucksack verwandelt. Ohne Werkzeug, ohne Umpacken, ohne sichtbare Zusatzteile. Das klingt einfach. Der Weg dorthin war es nicht. In diesem Beitrag erzählen wir, wie unser Verwandlungssystem entstanden ist, welche Ideen wir verworfen haben und warum das fertige Produkt so aussieht, wie es aussieht.
Das Problem: Drei Taschen für ein Leben
Die Idee zu Marche Ave Berlin entstand nicht in einem Designstudio, sondern auf einem Bahnsteig in Hamburg. Freitagabend, Zug nach Berlin, Weekender in der einen Hand, Laptoptasche in der anderen, Kaffee zwischen den Fingern. Am Montag zurück ins Büro mit derselben Kombination. Und dazwischen der Wunsch, einfach beide Hände frei zu haben.
Wer beruflich viel unterwegs ist, kennt das Muster. Ein Weekender ist elegant. Im Hotel, im Restaurant, beim Kunden gehört er dazu. Auf dem Fahrrad, in der U-Bahn oder auf dem Weg vom Flughafen zum Termin wird er zur Last. Ein Rucksack ist bequem. Aber im Meeting wirkt er wie Reisegepäck. Die meisten Menschen lösen diesen Widerspruch mit mehreren Taschen. Wir wollten ihn mit einer lösen.
Unser Anspruch war von Anfang an klar: Kein Kompromiss. Im Weekender-Modus darf nichts an einen Rucksack erinnern. Im Rucksack-Modus darf nicht unhandlich sein. Und der Umbau muss so einfach sein, dass man ihn im Blazer am Bahnsteig durchführt, ohne nachzudenken.
Die ersten Skizzen: Was alles nicht funktioniert hat
Bevor das heutige System stand, haben wir mehrere Ansätze durchgespielt und verworfen. Jeder davon hat uns etwas gelehrt.
Ansatz 1: Fest verbaute Träger
Die naheliegende Lösung: Rucksackträger dauerhaft an der Rückseite befestigen und bei Nichtgebrauch flach anlegen. Das Problem zeigte sich im ersten Modell. Die Träger bleiben sichtbar. Sie stören die Silhouette, verhaken sich in Reißverschlüssen und rauben dem Weekender genau die Klarheit, die ihn ausmacht.
Ansatz 2: Abnehmbare Träger im Außenfach
Zweiter Versuch: Träger in einer Außentasche verstauen. Funktional in Ordnung, ästhetisch nicht. Eine Ledertasche mit aufgesetzter Trägertasche wirkt wie ein Rucksack, der sich als Weekender verkleidet. Wieder zurück ans Reißbrett.
Ansatz 3: Der doppelte Boden
Der Durchbruch kam mit einer Frage: Wo gibt es Platz, den niemand sieht? Die Antwort lag unten. Ein doppelter Boden auf der Unterseite der Tasche nimmt beide gepolsterten Träger vollständig auf. Von außen ist nichts zu erkennen. Die Tasche steht stabil, das Volumen bleibt erhalten, die Silhouette bleibt rein.
Dieses Prinzip haben wir weiterentwickelt. Heute bildet es das Fundament unseres Verwandlungssystems.
So funktioniert das Verwandlungssystem heute
Das fertige System besteht aus vier Komponenten, die ineinandergreifen:
- Der doppelte Boden. Zwei gepolsterte Rucksackträger liegen unsichtbar in einem Fach auf der Unterseite. Im Weekender-Modus bleiben sie verborgen.
- Zwei massive Metallhalterungen. Am oberen Taschenende sitzen zwei Verankerungen, an denen die Träger in Sekunden eingehängt werden. Sie tragen das volle Gewicht der Tasche und sind auf tausende Umbauten ausgelegt.
- Verstellbare Schnallen. Die Träger passen sich an jede Körpergröße an. Der Rucksack sitzt bei 1,65 Meter genauso sauber wie bei 1,90 Meter.
- Karabinerverschlüsse an Griffen und Gurt. Tragegriffe und Schultergurt hängen an hochwertigen Karabinern. Sie kommen ab und verschwinden im Innenfach. Nichts baumelt, nichts stört.
Der Inhalt der Tasche bleibt beim Umbau, wo er ist. Nach unter zwei Minuten trägst du einen Rucksack. Nach unter zwei Minuten trägst du wieder einen Weekender.
Die Konstruktion: Ingenieurdenken trifft Handwerk
Robin hat das System als Ingenieur konstruiert. Das bedeutet: Belastungsverteilung, Materialstärken und Verbindungspunkte wurden gerechnet, nicht geraten. Die Metallhalterungen sitzen dort, wo die Kräfte im Rucksackmodus tatsächlich wirken. Die Nähte im Bereich des doppelten Bodens sind doppelt ausgeführt. Die Träger sind so gepolstert, dass ein vollbeladener 40-Liter-Weekender auch nach einer Stunde auf dem Rücken angenehm sitzt.
Fatima hat parallel dafür gesorgt, dass die Technik im Design verschwindet. Jede Halterung, jeder Karabiner, jede Naht folgt der Linie der Tasche. Das Ergebnis ist ein Weekender, dem man seine Funktion nicht ansieht. Erst wenn man sie braucht, ist sie da.
Testphase: Wochen unter realen Bedingungen
Ein Prototyp auf dem Tisch beweist wenig. Wir haben ihn deshalb dorthin mitgenommen, wo er später leben wird: in den Pendelverkehr, auf Kurzreisen, in Flugzeuge, auf Fahrräder. Vollbeladen, bei Regen, über Wochen.
Was wir dabei gelernt und geändert haben:
- Die Träger wurden breiter und stärker gepolstert, nachdem klar war, wie schwer ein vollgepackter Weekender auf dem Rücken werden kann.
- Die Position der Metallhalterungen wanderte um wenige Zentimeter, damit die Tasche im Rucksackmodus aufrecht am Rücken liegt statt nach hinten zu kippen.
- Die Karabiner wurden vergrößert, damit sie sich auch mit kalten Fingern oder Handschuhen bedienen lassen.
- Das Innenfach für Griffe und Gurt wurde neu positioniert, damit es beim Packen nicht im Weg ist.
Erst als Stabilität, Tragekomfort und Designintegration unseren eigenen Maßstäben standhielten, ging das Modell in die Musterfertigung.
Die Details, die den Unterschied machen
Neben dem Verwandlungssystem haben wir den Weekender mit Funktionen ausgestattet, die im Reise- und Businessalltag zählen:
- Handgepäckmaße: 55 × 28 × 25 cm bei 40 Litern Volumen. Abgestimmt auf die Vorgaben der meisten Fluglinien. Kein Aufgabegepäck, kein Warten am Band.
- Gepolstertes Laptopfach: Schützt Laptop und Tablet im Büro, im Zug und im Flugzeug.
- Separates Schuhfach: Mit wasserabweisendem Innenmaterial. Schuhe reisen getrennt von Hemden und Blusen.
- Pflanzlich gegerbtes Rindleder: Ohne Chromsalze, mit natürlicher Patina. Mehr dazu im Beitrag Pflanzlich gegerbtes Leder: Was es ist und warum wir es verwenden.
- Massive Metallbeschläge: Halterungen, Karabiner, Schnallen und Reißverschlüsse sind auf Jahrzehnte ausgelegt.
Schutz der Innovation
Das Verwandlungssystem ist unsere eigene Entwicklung. Das Gebrauchsmuster ist beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) angemeldet und schützt das funktionale Prinzip und die Konstruktionsweise. Markenname und Logo sind als Wort-/Bildmarke eingetragen. Wir haben viel Zeit in diese Lösung investiert und sichern sie entsprechend ab.
Vom Prototyp zur Serie
Im Herbst 2025 stand der funktionsfähige Prototyp. Im Frühjahr 2026 fertigte unsere Partnermanufaktur in Lahore die ersten Produktionsmuster. Im Mai 2026 ging unsere Kickstarter-Kampagne live, und die ersten Backer haben ein Produkt unterstützt, das es noch nicht zu kaufen gab. Seit Herbst 2026 ist der Weekender regulär erhältlich.
Die Reise von der Skizze zum fertigen Produkt hat rund 18 Monate gedauert. Jeder dieser Monate steckt in der Tasche, die heute vor dir liegt.
Häufige Fragen zum Weekender mit Rucksackfunktion
Wie lange dauert der Umbau vom Weekender zum Rucksack? Unter zwei Minuten. Träger aus dem doppelten Boden nehmen, einhängen, Griffe und Gurt abnehmen und verstauen. Der Inhalt bleibt in der Tasche.
Sieht man im Weekender-Modus, dass die Tasche ein Rucksack sein kann? Nein. Die Träger liegen vollständig im doppelten Boden.
Wie viel Gewicht trägt der Rucksack-Modus? Das System ist für einen vollbeladenen 40-Liter-Weekender ausgelegt. Die Halterungen und Nähte sind entsprechend dimensioniert und wurden unter Volllast getestet.
Passt der Weekender ins Handgepäck? Mit 55 × 28 × 25 cm entspricht er den Handgepäckmaßen der meisten Fluglinien. Prüfe vor dem Flug die aktuellen Vorgaben deiner Airline.
Ist das Verwandlungssystem geschützt? Ja. Das Gebrauchsmuster ist beim DPMA angemeldet, Name und Logo sind als Wort-/Bildmarke eingetragen.
